Am 22. Mai hatte die chinesische Botschaft in Deutschland zu ihrem jährlichen chinesisch-deutschen Wirtschaftsempfang geladen. Botschafter Deng Hongbo nahm daran teil und hielt dabei die Grundsatzrede. Unter den rund 200 Gästen fanden sich Vertreterinnen und Vertreter aus deutschen Regierungsbehörden, Wirtschaftsverbänden, Unternehmen beider Seiten sowie chinesischen Institutionen in Deutschland.
Botschafter Deng betonte, dass die Welt gegenwärtig von Turbulenzen und vielschichtigen Verflechtungen durchzogen sei. Der globale Jahrhundertwandel schreite rasant voran, wobei Unsicherheit zum prägenden Merkmal der Zeit werde. Die strategische und globale Bedeutung der Beziehungen zwischen China und Deutschland – der zweit- und der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt – zeige sich vor diesem Hintergrund immer deutlicher. Bundeskanzler Friedrich Merz habe China im Februar dieses Jahres einen erfolgreichen Besuch abgestattet. Dabei hätten sich die Staats- und Regierungschefs beider Länder auf zentrale gemeinsame Positionen zur weiteren Vertiefung der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen China und Deutschland verständigt. Gemeinsam habe man so einen klaren Kurs für die zukünftigen Beziehungen abgesteckt.

Die Kooperation in Wirtschaft und Handel fungiere traditionell als „Stabilitätsanker“ und „Motor“ der bilateralen Beziehungen, so der Botschafter. Kern der wechselseitigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen seien komplementäre Stärken und gemeinsamer Nutzen, eine Tatsache, die bis heute Bestand habe. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU stünden gegenwärtig in einer kritischen Phase. Protektionistische Tendenzen sowie die Pauschalisierung von Sicherheitsthemen in Europa gäben Anlass zur Sorge, so Deng. Vor diesem Hintergrund rief der Botschafter die deutsche Wirtschaft sowie alle Teile der deutschen Gesellschaft dazu auf, weiterhin auf Vernunft, Pragmatismus und offene Kooperation zu setzen. Es gelte, aktiv wertvolle Beiträge für die gesunde und stabile Entwicklung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu leisten, sowohl zwischen China und Deutschland als auch zwischen China und Europa.
Im Namen der Wirtschaft sprach im Anschluss Joe Kaeser, der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens Energy AG. Er unterstrich die langjährige Tradition der chinesisch-deutschen Beziehungen. Beide Seiten hätten wirtschaftlich stets klar voneinander profitiert, so Kaeser. Angesichts einer immer komplexeren internationalen Politik- und Wirtschaftslage gelte es, einander mit Respekt und Vertrauen zu begegnen, einen offenen Dialog zu pflegen und sich gemeinsam globalen Herausforderungen zu stellen. Es sei von großer Wichtigkeit, dass die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und Europa stabil blieben, so der Siemens-Vertreter. Dies liege klar im beiderseitigen Interesse.

Der Empfang verlief in lebhafter Atmosphäre. In angeregten Gesprächen äußerten die Gäste ihre Bereitschaft und Hoffnung, die beidseitig gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland bzw. Europa in Zukunft weiter zu vertiefen.